Flyye ILBE Assault Pack

Flyye ILBE Assault Pack (11)

Bei so einigen Ausrüstungsgegenständen, die nicht mehr hergestellt werden, könnte ich mir wirklich in den Arsch beißen, dass ich in der Vergangenheit nicht zugeschlagen habe. Zu diesen Vertretern gehört zum Beispiel der Arcteryx Charlie Pack (Review bei Military Morons) der etwa 2006/2007 aus dem Sortiment genommen wurde. Damals war es noch recht kompliziert, ohne Behördennachweis an Sachen aus der LEAF-Sparte von Arcteryx zu kommen und die Neuwertigen bei eBay sind mir auch durch die Lappen gegangen. Zu meiner Entlastung sei angemerkt, dass der Charlie zu seinen Lebzeiten bereits ein Nischendasein verbrachte und sich nicht so recht gegen die üblichen 3 Day Assault Packs von Eagle Industries, London Bridge Trading und Konsorten durchsetzen konnte. Dafür hat er sein ganz spezielles Vermächtnis bekommen: Das USMC wählte ihn – mit ein paar minimalen Änderungen – als kleinstes Mitglied vom Improved Load Bearing Equipment (ILBE, Review bei Teo’s Blog). Doch leider gibt es den ILBE Assault Pack nur im Tarnmuster MARPAT (Marines Pattern), was mir etwas zu auffällig für eine vorwiegend zivile Nutzung ist.

Auf der IWA 2016 ist mir dann am Stand von Winforce Tactical Gear der Hickwall Recon Pack aufgefallen, einen auf den ersten Blick sehr gut verarbeiteten Charlie-Klon. Den hätte ich auch wahrscheinlich bestellt, aber dummerweise reagierte dort niemand auf meine Anfragen bezüglich der in Nürnberg ausgestellten Farbvariante. Also habe ich ein bisschen rumgegoogelt und bin prompt über das Konkurrenzprodukt von Flyye Industries gestolpert, welches ebenfalls in vielen Kolorationen erhältlich ist. Bestellt habe ich schließlich bei Royaltiger Military Gear (http://www.royaltigergear.com/), da dort das begehrte Ranger Green auf Lager war.

Doch bevor ich auf den „Order-Button“ gedrückt habe, zögerte ich doch noch eine Weile: Ist es denn okay, so einen Nachbau zu kaufen bzw. ein Produkt von einer Firma zu kaufen, die fast ausschließlich Kopien feilbietet? Kopien von Produkten, in die andere Menschen reichlich Innovationskraft und Investitionen gesteckt haben? Zwar besitze ich schon seit längerem zwei MOLLE-Taschen von Flyye, aber bei so Kleinkram hat sich mein Gewissen nicht zu Wort gemeldet, insbesondere wegen dem Verhältnis zu dem Geld, was ich sonst so in die Originale stecke. Flyye bietet quasi ein Vollsortiment an taktischer „Nylonausrüstung“ an, in der Mehrzahl Klone von Produkten US-amerikanischer Firmen. Unbestritten ist gute Qualität der Klone, aber ärgerlich die Dreistigkeit des Abkupferns. Allerdings finden sich ja auch Designs wie das des 3 Day Assault Packs bei fast allen großen Herstellern, das Übernehmen bewährter Konzepte also auch hier usual Business. Und der Charlie Pack wurde ja vom Markt genommen. Insofern konnte ich den Kauf vor mir rechtfertigen, aber eine gewisse Zurückhaltung bleibt.

Preislich ist der Flyye ILBE Assault Pack auch kein Schnäppchen: Der Rucksack selbst kostet rund 80,- Euro, Versand per EMS Hongkong rund 45,- Euro und dann kommen noch etwa 20,- Euro Zoll/Steuern obendrauf. Macht dann in Summe 145,- Euro, wofür auch durchaus schon das ein oder andere Modell renommierter Hersteller zu bekommen ist.

Da ich sehr neugierig war, habe ich den Rucksack noch direkt auf dem Parkplatz vom Zoll etwas unter die Lupe genommen. Das Ranger Green von Flyye gefällt mir richtig gut, es ist ein Tacken grüner und heller als von den meisten anderen Herstellern gewohnt. PIG nutzt bei Ranger Green Cordura in einem ähnlichen Farbton. Die Nähte verlaufen gerade und sind stabil ausgeführt. Die großen Reißverschlüsse sind von YKK und funktionieren einwandfrei. Die Schnallen von UTX machen einen soliden Eindruck, können aber mit der Haptik der Pendants von ITW nicht ganz mithalten. Beim Bauchgurt fällt auf, dass der Gurt sehr leicht von alleine durchläuft, die individuelle Einstellung also nur sehr kurze Zeit hält. Die vier Kompressionsreimen hingegen halten ordentlich ihre Position. Die Schultergurte sind angenehm gepolstert und auf der Innenseite mit Mesh-Material versehen. Das Webbing ist sauber und gleichmäßig angebracht, auch hier die Nähte tadellos. Der Rücken ist leicht gepolstert, für zusätzlichen Komfort und etwas Stabilität sorgt eine Rückenplatte aus Kunststoff oder einem sehr steifen Kautschukgemisch. Im Inneren findet sich ausser einem Trinkblasenfach keine weitere Unterteilung. Was bei näherem Hinsehen noch auffällt, ist, dass der Tragegriff und die Schultergurte „auf Kante“ vernäht sind, d.h. jeweils nur durch Riegelnähte gehalten werden, statt dass ein längerer Gurtabschnitt x-förmig mit dem Trägermaterial vernäht ist. Kann, muss aber kein Nachteil sein. Hier wird sich nur durch längere Nutzung ein abschließendes Urteil fällen lassen, bei direkten Vergleich gegen meinen Eagle Industries 3 Day Assault Pack fällt dieser Unterschied aber doch sehr auf.

Der Tragetest mit einer 5 kg Hantelscheibe ist positiv verlaufen, Rückenpolster und -platte verteilen das Gewicht recht angenehm, die Schultergurte sitzen bequem und werden vom Brustgurt zuverlässig auf Position gehalten. Mit seinen 26 Litern Volumen kann der Flyye ILBE Assault Pack also durchaus den Alltag beim Pendeln oder an der Uni bewältigen. Eine Tagestour mit ihm steht noch aus.

Ich empfehle diesen Rucksack jedem, der einen nicht ganz so auffälligen taktischen Rucksack für jeden Tag sucht, für anspruchsvollere Zwecke aber auf andere Modell zurückgreifen kann. Dafür würde ich ihn mir auch jederzeit wieder kaufen, weil er mit Sicherheit mehr Qualität und Charakter bietet, als die Modelle aus dem Kaufhaus.

Hier geht es zum Review des Eagle Industries Airborne Assault Pack: Eagle Industries AAP

Dieser Eintrag wurde von timhinterwaelder veröffentlicht.

Ein Kommentar zu “Flyye ILBE Assault Pack

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